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Kork und Wein – von Fehltönen und ihren Ursachen
Kork und Wein gehören seit Urzeiten zusammen. Die Feststellung, ein Wein habe Kork, ist immer einmal zu hören, wo Wein getrunken wird. In aller Regel ist ein so genannter Korkgeschmack kein Drama. Denn der Korken ist ein Naturprodukt, und die Natur gibt für ihre Produkte keine Garantien, wie sie es übrigens auch beim Wein nicht tut.
Kritischer wird es dagegen, wenn der Korken für Fehltöne im Wein herhalten muss, die mit dem Korken nichts zu tun haben. Für solche Fehl-, Muff- oder Alterungstöne gibt es viele denkbare Ursachen. Problematisch bei den Korkgeschmacks-Reklamationen ist vor allem der Umstand, dass zum Zeitpunkt der Beanstandung mindestens mehrere Monate, nicht selten einige Jahre vergangen sind, seit die angeblich zu beanstandenden Korken vom Weingut eingekauft, dort gelagert und schließlich verarbeitet worden sind - und dies unter Bedingungen, die dann natürlich nicht mehr festgestellt oder gar bewertet werden können. So bleibt in aller Regel also nur, die Ergebnisse von Ursachen festzustellen, wobei nicht mehr feststellbar ist, um welche Ursachen es sich im Einzelfall tatsächlich gehandelt haben könnte.
So wird viel zu oft und nicht selten vorschnell und pauschal der Korkenlieferant zur Verantwortung gezogen. Die Folge sind zum Teil endlose und höchst unerfreuliche Auseinandersetzungen wegen einer Gewährleistung, die das Weingut erwartet, die der Korkenlieferant dagegen nicht ohne weiteres erfüllen kann und will.
Denkbare Ursachen für Fehltöne als Beispiele aus der Praxis:
- Einkauf und Lagerung der Korken vor der Verarbeitung
- Korken werden zu früh oder in zu großer Menge bestellt
- Die Lagerung im Betrieb erfolgt nicht produktgerecht (im Schuppen, in der Nähe von Chemikalien oder anderen Betriebs- und Treibstoffen)
- Temperaturschwankungen, Luftfeuchte, falsche Lagertemperatur
- PE-Säcke sind nicht gasdicht, SO2-Zugabe wird bei längerer Lagerdauer wirkungslos, Gefahr von Kondenswasserbildung im PE-Sack
- Herstellung und Lagerung des Weines vor der Abfüllung
- Schimmel im Weinkeller oder andere Hygiene-Mängel ("Weinguts-Note")
- unsaubere Tanks und Leitungen
- falsche Behandlung des Weines (Fehl- und Mufftöne)
- Gehalte an Gerbstoffen, Säuren und Alkohol
- Lagerung in verschiedenen Gebinden (Holzfaß, Barrique, Edelstahl) mit unterschiedlichem Geschmacksbild
- Ausbau der Weine (oxidativ oder reduktiv)
- Fehler vor und während der Abfüllung
- schlecht gespülte oder nicht ausreichend nachgespülte Flaschen (Überdosierung der Spülmittel!)
- unsaubere oder schlecht gewartete Abfüllanlage
- Nichtbeachtung der Verarbeitungsvorschriften des Deutschen Kork-Verbandes
- Lagerung und Transport der abgefüllten Weine
- schwankende oder zu hohe Temperaturen im Lager (insbesondere während der Sommermonate)
- "Hitzeschock" der Weine auf dem Transport oder im nicht klimatisierten und über das Wochenende im Freien abgestellten Speditionsfahrzeug
- dauerhaft falsche Lagerung der Weine in Handel, Gastronomie und auch beim Konsumenten.
In den „Geisenheimer Testmethoden“ sind die Prüfvorschriften für die Qualitätskontrolle von Weinkorken und für die Handhabung und Verarbeitung von Korken durch die Weinwirtschaft beschrieben. Sie können die „Geisenheimer Testmethoden“ auf der Seite Infobroschüren bestellen.



